Languedoc
Roussillon
Abteien am Alten Pilgerweg
Seit 1000 Jahren wandern Pilger durchs
Landuedoc nach Santiago de Compostela in Spanien. Die Wege sind uralt. Sie
führen vorbei an romantischen Kirchen, plätschernden Bächen, Quellen
und eindrucksvollen Burgen.
Aus dem Norden führt die " Via
Podiensis" von Le Puy durch die Höhenzüge des Gévaudan, über die
Berge von Margeride und Aubrac. Von allen Bergzügen fürchteten die
Pilger diese noch mehr als die tiefen Schluchten und steilen Anstiege der
Pyrenäen. In der Kirche " Notre Dame des Pauvres" von Aubrac
dankten sie Gott, wenn sie die gefährliche Etappe gut hinter sich
gebracht hatten. Gläubige aus Italien und der Provence zogen über Arles:
Das "Portal der Pilger" an der Kathedrale Saint-Trophime zeugt
davon. Durch die Ebene der Camargue wanderten sie nach Saint Gilles.
Mitten im Ort steht eine mächtige mittelalterliche Abteikirche. Mit fast
100 Meter Länge und 25 Meter Breite war sie für die Scharen von
Gläubigen gerade gross genug. Skulpturen schmücken die herrliche
Fassade, ein Schatz romanischer Bildhauerkunst. Anschließend windet sich
der Weg ins Massiv der Cevennen hoch zum Dorf Saint-Guilhem-le-Désert:
Wilhelm von Orange, Saint-Guilhem, hat hier im Jahre 804 eine Kirche und
ein Kloster gegründet, um sich in der Stille von Kriegszügen zu erholen.
Pilger ruhten sich in Saint-Guilhem aus
Das
mittelalterliche Dorf rund um die Kirche gehört zu den schönsten im
Languedoc. Gassen winden sich zwischen Mauern aus Feldsteinen, Katzen
räkeln sich in der Sonne. Zwischen alten Häusern plätschern kleine
Brunnen. Über die ockerfarbenen Bögen der Kirche wandert der Blick auf
die grauweißen Kalkfelsen der Cevennen unter azurblauem Himmel. Die
Dörfer entlang des Weges nach Toulouse entstanden fast alle aus
Pilgerstationen: In Lodéve, Lunas, St. Gervais-sur-Mare erzählen alte
Gemäuer davon. Zwischen Olivenbäumen und dürrer Heide verbindet ein Weg
die Abtei von Aniane und Gellone. Er quert die Teufelsbrücke, Pont du
Diable, die sich seit fast 1000 Jahren über den Hérault biegt.
Reisewege in der Lozére
Auf ihrem Weg kamen die Pilger zu den
warmen Quellen der Region Lozére. Dort pflegten sie schmerzende Glieder.
Die Route du Gévaudan führt in die Wildnis. In einem vier Hektar grossen
Reservat leben dort mehr als 100 Wölfe aus Europa, Kanada, Sibirien und
der Mongolei. Wer sie aufspüren will, vertraut sich am besten einem der
Führer an. Sie haben das richtige Gespür und führen die Besucher
zielsicher an die Stellen, wo sich die scheuen Tiere versteckt halten.
Der Roc de Peyre - genannt Stiefel von
Malepeyre - bietet einen weiten Ausblick. Ein Netz von Bächen und
Kanälen durchzieht das malerische La Canourgue, das
"Klein-Venedig" der Lozére. Hier beginnt die Route "Causse
de Sauveterre", die vorbei an wilden Felsen zu verwinkelten Dörfern
führt. Sainte Enimie ist eines der schönsten unter ihnen, aus dem
typischen Stein der Region gebaut. Schwindelerregende 400 Meter tief in
das Tal des Tarn sieht man vom "Point Sublime", dem
"erhabenen Ort". Die Tour um den Turm von Mende im Lot-Tal
führt ins Mittelalter, der Weg um den Mont-Lozére zu den Quellen von Lot
und Tarn. Die Höhenstraße Corniche des Cévennes von Florac nach
St.-Jean-du-Gard bietet atemberaubende Ausblicke auf wilde Wasserläufe.
Die Strasse der Adeligen Glasbläser
Pinien und immergrüne Eichen begleiten die
25 Kilometer von Montpellier über Valflaunés nach Claret. Dort schiebt
sich die steile Felswand des Hortus-Kalkplateaus in die Landschaft. Von
Nimes führt die Route ab Campagne durch Weinlagen der Garrigues, vorbei
an der mittelalterlichen Brücke von Vacquiéres. Im alten Prachthof von
Couloubrines in Ferriéres-les-Verriers entdeckt man die Geschichte
der Gentilshommes Verriers, der adligen Glasbläser. Seit der Mitte des
14. Jahrhunderts hatten sich hier Glasmacher angesiedelt, die mit dem Holz
der Eichen und Sträucher der Umgebung ihre Glasöfen anheizten und Sand,
Kalk und Pottasche aus den nahe gelegenen Gruben holten. Die Könige
Frankreichs liebten Pokale aus Glas für ihre Tafeln. Deshalb schätzten
sie die Kunst der Bläser vom Causse de l'Hortus, verliehen ihnen 1455 das
Adelsprivileg und räumten ihnen für ihr Handwerk sogar das Monopol ein.
In den Wirren der Französischen Revolution ging die Dynastie unter, die
Öfen erloschen. Heute haben Glaskünstler in der Hütte von Claret die
Feuer wieder entfacht: Glasbläser Eric Lindgren balanciert die glühende
Kugel am Ende des Mundrohrs und zaubert aus dem Feuerball in fast 1000°C
heißer Glut moderne Formen. Im zweiten Atelier zeigt Catherine Zoritchak,
wie sie Glasobjekte formt und Glas emailliert. Auch in die alte Glashütte
der Domaine de Baumes ist neues Leben eingezogen: Sie bietet Unterkunft
und Verpflegung für Touristen sowie ein Informationszentrum rund um das
Thema Glas.
Zu Pferd von Burg zu Burg
Wer nicht hinterm Steuer sitzen oder laufen
will, sattelt im Land der Katharer am besten ein Pferd. Reiterhöfe bieten
Unterkunft und erfahrene Führer an. Sie lotsen die Besucher über schmale
Pfade zu Burgen und Ruinen. Die Katharer Okzitaniens spalteten sich im 10.
Jahrhundert von der katholischen Kirche ab. Um der Verfolgung zu entgehen,
verschanzten sie sich in Festungen. Die Burg von Arques mit einem 25 Meter
hohem Wehrturm ist die einzige, die in der Ebene liegt und die man im
Galopp erreichen kann. Ebenfalls zu Pferd zu entdecken sind die steinernen
Zeugnisse der Katharer in Peyrepertuse, Durfort und Termes in den
Hoch-Corbiéres. Die eckige Burg Queribus mit einem berühmten gotischen
Saal war ihre letzte Bastion. Auf der zinnenbekränzten Zitadelle von
Villerouge-Termenés starb der letzte Getreue, Guilhem Belibaste, 1321 auf
dem Scheiterhaufen der Inquisition. Vom Leben der Katharer blieb nur
wenig. Das Museum von Quercorb zeigt, wie sie wohnten, kochten und sich
zerstreuten. Schon damals schätzten sie die Weine der Region. Bei einem
Glas Corbiéres oder Minervois endet eine Reittour durch das "Pays
Cathare" auf höchst genüssliche Art und Weise.
Quelle: Französischen
Fremdenverkehrsamt
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